Rabea Becker – Das Ding, das sich Herz nannte
Was soll man sagen, wenn man das Buch einer noch so jungen Autorin aufschlägt und gleich das erste Gedicht zu Tränen rührt? Dies ist wohl ein klassischer Fall von vorschneller Unterbewertung, hervorgerufen durch altersfixierte Vorurteile.
Aus den Gedichten Rabea Beckers spricht eine jugendliche Stimme, die jedoch behaftet ist mit ganz erwachsenen Ängsten, Gefühlen, Sphären. Auf 72 Seiten öffnet die Autorin die Tür in Räume, die zu eng zum Atmen und zu groß sind, fliehen wollen zu dürfen.
Es zeigt sich schnell, dass man die lyrischen Stücke nicht leichtfertig lesen kann, da sie zu dicht sind, zu angereichert mit verifizierbaren und verifizierten Gefühlen, zu schwer im schwerkraftbehafteten Raum.
Die Bandbreite der „Themen“, von denen man bei Lyrik ohnehin schon schwer reden kann, kann in einer kurzen Besprechung des Lyrikbandes freilich nicht vollständig erfasst werden. Dennoch seien einem interessierten Leser einige inhaltliche Kostproben nicht vorenthalten: Requiems an verlorene Zeiten und Menschen, kostbare Augenblicke, Inventuren einer grübelnden und liebenden Seele, die Begegnung mit einem rätselhaften Mädchen, die Zeit und der ewige Kampf um Freiheit und eigenen Frieden, und immer wieder - das Herz, Schlüsselsymbol des gesamten Werkes, säumen das Bild aus „Das Ding, das sich Herz nannte“.